Zehn Jahre Patientenverfügung

Bewährt oder überholungsbedürftig? Von Dr. med. Horst Gross

Zehn Jah­re nach Ein­füh­rung der Patienten­verfügung ist vie­len Deut­schen unklar, wie sie recht­lich gül­tig ihren Wil­len über das eige­ne Ster­ben for­mu­lie­ren soll­ten. So kommt es immer wie­der vor, dass Kli­ni­ken und Pfle­ge­diens­te schrift­lich fixier­te Wün­sche von bewusst­lo­sen Pati­en­ten umge­hen. Eine Hor­ror­vor­stel­lung für vie­le. Der Bun­des­ge­richts­hof hat des­halb im April betont, dass vage for­mu­lier­te Ver­fü­gun­gen ihre Gül­tig­keit ver­lie­ren. Kön­nen kom­mer­zi­el­le Anbie­ter in die­ser ver­wir­ren­den Situa­ti­on hel­fen? Oder reicht die kos­ten­lo­se Mus­ter­ver­fü­gung aus dem Netz und das ver­trau­ens­vol­le Haus­arzt-Gespräch? 

Am Mitt­woch, dem 28.08.2019 um 8:30 Uhr wur­de im Hör­funk­pro­gramm des SWR2 die­ser Bei­trag u. a. mit einem Inter­view mit Frank Spa­de gesen­det.

Wie Krankenkassen beim Betrug in der Pflege zusehen

Sys­te­ma­tisch neh­men Betrü­ger das deut­sche Pfle­ge­sys­tem aus – zulas­ten der Bei­trags­zah­ler. Ein inter­ner Bericht aus dem Gesund­heits­we­sen zeigt nun, dass vie­le Kran­ken­ver­si­che­run­gen die Abzo­cke ein­fach gesche­hen las­sen. Wei­ter­le­sen … Wie Kran­ken­kas­sen beim Betrug in der Pfle­ge zuse­hen

Sys­te­ma­tisch neh­men Betrü­ger das deut­sche Pfle­ge­sys­tem aus – zulas­ten der Bei­trags­zah­ler. Ein inter­ner Bericht aus dem Gesund­heits­we­sen zeigt, dass vie­le Kran­ken­ver­si­che­run­gen die Abzo­cke ein­fach gesche­hen las­sen.

Die Pfle­ge­bran­che ent­wi­ckelt sich zum Para­dies für Betrü­ger. Fal­sche Abrech­nun­gen neh­men dra­ma­tisch zu. In der Ver­gan­gen­heit ent­stan­den noch beim Betrug mit Arz­nei­mit­teln, der größ­te Scha­den. Vie­le Kran­ken­kas­sen haben kaum etwas dage­gen getan, weil die Ermitt­lun­gen sehr auf­wän­dig sind.

Kri­mi­no­lo­gen schät­zen, dass durch Betrug fünf bis zehn Pro­zent im Gesund­heits­we­sen abge­zockt wer­den. Schon zehn Jah­re zuvor hat­te der Bun­des­rech­nungs­hof eine enge­re Zusam­men­ar­beit zwi­schen den Kas­sen und dem MDK gefor­dert, um wirk­sa­mer Fehl­ver­hal­ten bekämp­fen zu kön­nen.

Quel­le: SPIEGEL ONLINE vom 16.10.2018

Durch Übertherapie sterben wir schlechter und früher

In der Serie geht es um die Fra­ge: Wel­che Rol­le das Ster­ben im Leben und in der Gesell­schaft ein­nimmt. Zu viel Behand­lung macht den Tod qual­vol­ler als nötig. Vor­zu­zie­hen wäre im Ster­ben pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­sche Betreu­ung, die sich stär­ker um die Bedürf­nis­se und Sym­pto­me von Men­schen küm­mert, als um ihre Krank­hei­ten. Wei­ter­le­sen … Durch Über­the­ra­pie ster­ben wir schlech­ter und frü­her

In der ZEIT-Online Serie »Der Tod ist groß« wird der ange­se­he­ne Pal­lia­tiv­me­di­zi­nerPal­lia­tiv­me­di­zi­ni­sche Betreu­ung In der pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­schen Betreu­ung geht es um die Ver­sor­gung von Men­schen mit unheil­ba­ren und weit fort­ge­schrit­te­nen Erkran­kun­gen sowie begrenz­ter Lebens­er­war­tung. Vor­rang haben dabei die Lin­de­rung von Beschwer­den und die Stei­ge­rung der Lebens­qua­li­tät. Ärz­te kön­nen dafür Zusatz­aus­bil­dun­gen absol­vie­re und sich dann Pal­lia­tiv­me­di­zi­ner nen­nen. Gian-Dome­ni­co Bora­zio inter­viewt.

In der Serie geht es um die Fra­ge: Wel­che Rol­le das Ster­ben im Leben und in der Gesell­schaft ein­nimmt. Zu viel Behand­lung macht den Tod qual­vol­ler als nötig. Vor­zu­zie­hen wäre im Ster­ben pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­sche Betreu­ungPal­lia­tiv­me­di­zi­ni­sche Betreu­ung In der pal­lia­tiv­me­di­zi­ni­schen Betreu­ung geht es um die Ver­sor­gung von Men­schen mit unheil­ba­ren und weit fort­ge­schrit­te­nen Erkran­kun­gen sowie begrenz­ter Lebens­er­war­tung. Vor­rang haben dabei die Lin­de­rung von Beschwer­den und die Stei­ge­rung der Lebens­qua­li­tät. Ärz­te kön­nen dafür Zusatz­aus­bil­dun­gen absol­vie­re und sich dann Pal­lia­tiv­me­di­zi­ner nen­nen. , die sich stär­ker um die Bedürf­nis­se und Sym­pto­me von Men­schen küm­mert, als um ihre Krank­hei­ten. Erstaun­li­cher­wei­se wirkt gute Pal­lia­tiv­me­di­zin sogar leben­ver­län­gernd. In einer Stu­die in den USA hat­ten die Pal­lia­tiv­pa­ti­en­ten eine bes­se­re Lebens­qua­li­tät, waren weni­ger depres­siv, beka­men weni­ger Che­mo­the­ra­pie und leb­ten im Schnitt drei Mona­te län­ger. Vie­le Krebs­pa­ti­en­ten bekom­men am Lebens­en­de The­ra­pien, Che­mo­the­ra­pien oder Bestrah­lun­gen, die sie eigent­lich nicht mehr ver­tra­gen. Durch sol­che Über­the­ra­pie ster­ben sie nicht nur schlech­ter, son­dern auch frü­her. Wenn wir die Wahl zwi­schen zwei Extre­men haben, ist es am Lebens­en­de ein­deu­tig bes­ser, unter­ver­sorgt als über­ver­sorgt zu sein! Men­schen soll­ten im All­ge­mei­nen und auch am Lebens­en­de, mög­lichst wenig in Kran­ken­häu­sern sein.

Pal­lia­tiv­me­di­zi­ner sind die Umsatz­kil­ler schlecht­hin, weil sie am Lebens­en­de, also dort, wo die Gesund­heits­in­dus­trie am meis­ten absahnt, die unbe­que­me Fra­ge stel­len, ob immer alles sinn­voll ist, nur weil es mach­bar ist. Aber die Lob­by­is­ten sind sehr mäch­tig. Sie ver­su­chen die Pal­lia­tiv­me­di­zin zu domes­ti­zie­ren und sie letzt­lich zu einem wei­te­ren phar­ma­freund­li­chen, schmerz­mit­tel­ver­schrei­ben­den Fach zu machen.

Quel­le: ZEIT-Online vom 02.04.2018

Urteil des BGH zum Behandlungsabbruch

Abbruch einer lebens­er­hal­ten­den Behand­lung auf der Grund­la­ge des Pati­en­ten­wil­lens ist nicht straf­bar Wei­ter­le­sen … Urteil des BGH zum Behand­lungs­ab­bruch

Schon am 25. Juni 2010 hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGHBGH Bun­des­ge­richts­hof) ent­schie­den, dass der Abbruch einer lebens­er­hal­ten­den Behand­lung auf der Grund­la­ge des Pati­en­ten­wil­lens nicht straf­bar ist.

Es ging um eine Frau, die seit acht Jah­ren in einem soge­nann­ten Wach­ko­ma lag. Sie hat­te kurz davon münd­lich geäu­ßert, dass sie in einem sol­chen Fall lie­ber ster­ben wol­len wür­de. Die als Betreu­erBetreu­er Vom Betreu­ungs­ge­richt bestell­ter recht­li­cher Ver­tre­ter; in der Regel Berufs­be­treu­er, die für Ihre Arbeit bezahlt wer­den. bestell­ten Kin­der, ver­such­ten die Heim­lei­tung zur Beach­tung die­ses Wun­sches zu bewe­gen. Ende 2007 kam es zu einem Kom­pro­miss, wonach die Ver­sor­gung der Magen­son­de von den Kin­dern vor­ge­nom­men wer­den soll­te und das Heim die rest­li­che Pfle­ge. Kurz vor Weih­nach­ten hat­ten die Kin­der die Ver­sor­gung der Magen­son­de ein­ge­stellt, um ihrer Mut­ter ein natür­li­ches Ster­ben zu ermög­li­chen. Als die Geschäfts­lei­tung davon erfuhr, ord­ne­te sie eine sofor­ti­ge Wie­der­auf­nah­me der künst­li­chen Ernäh­rung an und droh­te den Kin­dern Haus­ver­bot an. Auf Rat ihres Rechts­an­wal­tes schnit­ten sie den Schlauch der Magen­son­de durch. Dar­auf­hin schal­te­te die Heim­lei­tung die Poli­zei ein, die auf Anwei­sung des Staats­an­wal­tes dafür sorg­te, dass die Magen­son­de im Kran­ken­haus neu gelegt wur­de. Dort starb die Frau zwei Wochen spä­ter an ihrer Erkran­kung. In der Fol­ge wur­de der Rechts­an­walt wegen ver­such­ten Tot­schlags durch akti­ves Tun zu einer Frei­heits­stra­fe von neun Mona­ten auf Bewäh­rung ver­ur­teilt. Vom BGH wur­de die­ses Urteil spä­ter auf­ge­ho­ben und der durch den Wil­len der Frau moti­vier­te Behand­lungs­ab­bruch als rech­tens erklärt.

Quel­le: Pres­se­er­klä­rung Nr. 129/​2010 des BGH vom 25.06.2010